Genaikon: Strophe 3
GottheitDie dritte Strophe des Genaikon
Vom Wasser haben wir's gelernt
Fließen, Stauen, Wiegen, Wallen
Gießen, Tauen, Liegen, Fallen
Durchs Feuer wurden wir gezeichnet
Knistern, Flirren, Wärmen, Rauchen
Flüstern, Sirren, Lärmen, Schmauchen
Prasseln, Wüten, Tosen, Heben
So frisch und wunderhell
gab Ginevra sich dem Mondschein hin
Tanzte in des Himmels Spiegel
Gut betuchte Träumerin
Kiaran ging dem Mädchen nach
starrgesinnt doch mit Bedacht
sieht er ihr Lächeln in der Nacht
Und die Sonne wie helle
Sie Ginevra empfing
Und der Jüngling wie dunkel
Er in Träumen zerging
Die Sehnsucht wuchs
Sie ward beinahe ein Zwang
Er kämpfte entgegen den finsteren Drang
Wies immer mag sein
Dem Laster allein
Ward Ginevra gewahr
Und die Absicht war rein
Von Wollust entrückt
Ward vom Blicke verzückt
So gab sie sich Überfluss hin
Und das liebe Mädchen sagt
als frische, frohe, freie Magd
Oh, Kiaran, mein Dunkelstern
Bist immer nah und doch so fern
Teile heut Nacht liebend gern
Sei es denn dein wahrer Wille
Mit mir der müden Mühle Stille
Wie bist du heut so stumm
Mein Herz, das mir die Liebe gibt
Warst ungestüm, doch kann es sein
Dass meines nur die Liebe liebt
Ich bitte, flehe, bettle fast
Nimm meiner Mitte meine Last
Beende deine jähe Rast
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben
Durch Wirren der Welt und ekstatisches Treiben
Einerlei wie sie tadeln und mahnen
Können doch niemals die Neigung erahnen
Das silberne Band wagt die Güte zu binden
Der goldene Himmel lässt Gnade verschwinden
Und so liegt das Bächlein in vollkomm'ner Ruh‘
Von Ferne, ja, von Ferne
Leuchten die funkelnden Sterne
Auf die Mühle hinab mit gemach
Das Wasser liegt starr
Das Feuer gebar
Die Flammen, sie züngeln ihr nach
Was Sinnen und Wille versprach
Wenn sich ihr Haupt zum Schlummer neigt
Ein jedes Lebewesen schweigt
Weitab vom künftigen Dekret
Der Wind durch dunkle Trümmer weht
Der See als Zeuge stumm und blind
Ein Lächeln ziert das Antlitz eilig
Spricht sowohl Nacht als Taten heilig
In den silbernen Spiegel hinein
Blicke ich sehnlichst bis hin auf den Grund
Dieses Herz in der Brust - es war Dein
Nun gebührt es dem klaffenden Schlund
Das Messer in weiser Voraussicht geführt
Kismet, vereine uns abermals
Auf dass die Welt meinen Schmerz spürt
Ach, so muss ich ganz allein
Gehen in den fahlen Hain
Der Geist der Qualen hinterdrein
Er flüstert von vergang'ner Pein
Des Herzens purpurroter Wein
Glitzert in des Mondes Schein
Der geliebte Kiaran ist mein, ist mein