Genaikon: Strophe 5
GottheitDie fünfte Strophe des Genaikon
Dort offene Fächer und klaffende Gräber
Spotten dem geistlosen weltfremden Kläger
Zeichen der törichten Narretei
Vernehmet den stummen, durchdringenden Schrei
Durch zaghaft erweckende Fantasie
Wandelt wehmütig Amelie
Schritt um Schritt zwischen Mahnmalen hin
Dies ist ein dunkles Haus, sehr groß
Blass und mager geht sie dahin
Der Grabeskammer kalter Dunst
Gibt den Toten die letzte Ruh
Immerwährend strebsam
Ergebenheit bis nach dem Ende
Sind Schuld und Scheitern oft vereint
Der Ort war dunkel und staubig und halb verloren
So lag er vor mir und schwieg
Sie nannten es einen triumphlosen Sieg
Hinter längst schon verschlossenen Toren
Verstummt eine jede Kritik
Doch wozu wird ein Mensch geboren
Wenn er so früh scheidet dahin
Ich fühlte ein Begräbnis in meinem Gehirn
Die Erde erstickte dich wieder und wieder
Den Frevel verpflichtend zu revozieren
Entkräfteter Geist befiehlt schwächliche Glieder
Der weinende Sturm warnt vor kommender Not
Das langsame Abtragen Stein um Stein
bricht die Barriere und lässt mich ein
Die Kammer ist voll Schatten, leis und unbestimmt
Der Staub erzählt von längst vergang'ner Zeit
Trotz dunklem Äther bin ich jeher froh gestimmt
Ich war seit dem traurigsten Tage bereit
Wie indifferent der Erdenschlund nimmt
Alsbald unsere Liebe entzweit
Oh Elenor, mein barmherziger Kuss
Wenn, dunkle Schöne, einst du in der Gruft wirst rasten
Legt mein hoffnungsloser Körper sich mit dir in Ewigkeit
Hingebungsvoll und folgsam, treu, auf dass sie mir verzeiht
Und die Federn aller Dichter weinend einen Vers verfassten
Retrospekt belächelt sie
Mit Intellekt und Fantasie
Und transformiert den Sieg des Todes in ein bitteres Remis
Hinunter in der Erde Schoß
Sollt dein Leib die Flure zieren
Unnatürlicher Verstoß
Lässt Krankheit sowie Zeit gefrieren
Hebt Geist heraus und Körper hinterdrein
So stehst du vor mir, Elenor
und bist so schön als wie zuvor
Der Flammenrote Mond, der Herbstmond
Der sich senkt und schaut
Bedrohend, schrecklich auf dem Walde thront
Ein singulärer Schatten grüßt ihn
Hat sich die Sünde gar gelohnt
Elenor... Amelie
Entseelte Äste umarmen sie
Die Wälder sind lieblich, dunkel und tief
Obgleich sie in Wonne und Seligkeit schlief
Die einen Splitter von Hoffnung enthält
Und sich in erhabener Neigung verlief
Abgesang einer verlorenen Welt
Die liebende Wesen vor Abgründe stellt
Der Kosmos duldet keine Unvernunft
Weder Furcht noch Hoffnung liegen
Grabesstätten jemals bei
Das Gesuch war hoch gestiegen
Tief gefallen, wie es sei
Sie wollten doch schlussendlich fliegen
Denn nur gemeinsam ist man frei
Versuchten den Tod zu besiegen
Wie hab‘ ich das gefühlt was Abschied heißt
In deinen Armen nimmermehr
Die Glieder schwach, das Herze schwer
Bleibt ihnen nur der zerrüttete Geist
Bar eines jeden Gefühls, jeder Zeit
Hat die Welt sie entzweit und die Teile entwendet
Wartet auf sie bis die Ewigkeit endet